DOA verabschiedet Holger Preuß

Als Schatzmeister prägte der Mainzer Professor die Akademie – und möchte ihr erhalten bleiben

Holger Preuß am Rednerpult an der Internationalen Olympischen Akademie
Holger Preuß am IOA-Rednerpult. © DOA

In „Sportdeutschland“ als „Tausendsassa“ bekannt, ist Prof. Dr. Holger Preuß seit Jahrzehnten in zahlreichen ehrenamtlichen Funktionen im (inter-)nationalen Sport unterwegs. Bei der Deutschen Olympischen Akademie (DOA) engagierte sich der Wissenschaftler, der an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) die Abteilung Sportökonomie und Sportsoziologie leitet, seit 2015 im geschäftsführenden Vorstand. Nun wurde Preuß, der sein Amt als Schatzmeister 2024 auf eigenen Wunsch niedergelegt hatte, in Frankfurt verabschiedet. Wir blicken zurück auf die gemeinsame Reise und wie sich die Wege auch in Zukunft kreuzen werden.

1993: Das Olympische Feuer wird entfacht

Der Grundstein für sein jahrzehntelanges Engagement für die Olympische Bewegung wurde, wie bei so vielen vor und nach ihm, an der Internationalen Olympischen Akademie (IOA) in Olympia gelegt. Als „Young Participant“ nahm Holger Preuß 1993 für das Kuratorium Olympische Akademie und Olympische Erziehung des NOK für Deutschland, einem DOA-Vorgänger, an der traditionellsten aller IOA-Veranstaltungen teil, die mittlerweile „Young Olympic Ambassadors Session“ heißt. Und ein solcher Botschafter war mit der Bildungsveranstaltung geboren:

In den Folgejahren unterstützte Preuß das Kuratorium dabei, die Vorbereitungsfahrten der nächsten Young Participants zu begleiten, um sie auf die Sessionen einzustimmen. Wie das aussah? „In einem Bulli tourten wir von Athen über Nafplio bis Olympia und brachten den Young Participants die olympische Geschichte und die Aufgaben des deutschen NOKs nahe, das sie in Griechenland repräsentierten“, erinnert er sich. An der IOA wirkte er dann auf Bitten des Dekans Konstantinos Georgiadis gleich mehrere Male als Koordinator mit und hat bis heute über 20 Seminare im Rahmen verschiedener Sessionen gehalten.

Über das NOK lernte Preuß, der bis 2006 Kuratoriumsmitglied war, auch Prof. Dr. Norbert Müller kennen, der an seiner Doktorarbeit interessiert war, die er zum Thema „Ökonomische Implikationen der Ausrichtung Olympischer Spiele von München 1972 bis Atlanta 1996“ in Göttingen schrieb. Zahlreiche Arbeiten zu der Olympischen Bewegung und den Olympischen Spielen folgten, die bis heute in internationalen Sammelbänden und Zeitschriften erscheinen (eine Übersicht findet sich hier).

2015: Einstieg in den Vorstand der DOA

Aus dem NOK-Kuratorium und dem Deutschen Olympischen Institut (DOI) ging 2007 die DOA hervor, die seitdem für den DOSB das Themengebiet „Olympische Erziehung“ übernimmt. Als ihr erster Schatzmeister Hans-Peter Krämer im Jahre 2015 ausschied, trat Holger Preuß seine Nachfolge an – und prägte die Akademie mit seiner visionären Weitsicht über Jahre.

Das klassische Olympiaseminar in Griechenland, mit dem Studierende zu Multiplikator*innen der Olympischen Bewegung ausgebildet werden, dachte Holger Preuß neu. „In der heutigen Zeit geht zunehmend die Fähigkeit verloren zu diskutieren, verschiedene Sichtweisen verstehen und aushalten zu können, sich ein eigenes Urteil zu bilden und nicht nur eine Meinung zu vertreten. Dem wollten wir mit unserem Programm entgegenwirken“, erklärt er. Daher wurde 2022 und 2023 ein Fokus auf Diskurse gelegt. In Pro- und Kontradiskussionen oder Parlamentarischen Debatten, welche die Studierenden an ihren Universitäten vorbereitet hatten, wurden Themen wie „Die Olympischen Spiele müssen nachhaltig werden oder abgeschafft werden“ und „Sollen russische und belarussische Athlet*innen an den Spielen von Paris 2024 teilnehmen?“ aus vielfältigen Blickwinkeln erörtert.

Auch vertrat Preuß die DOA in der Stabstelle Olympiabewerbung des DOSB, die Olympische und Paralympische Spiele zurück nach Deutschland bringen möchte. Hier brachte er seine große Expertise ein – ob bei internen Sitzungen oder in öffentlichen Formaten wie DEIN JOB. DEIN INVEST. DEINE SPIELE. „Wenn man verantwortungsvoll plant und die richtige Stadt beziehungsweise Region wählt, können Olympische und Paralympische Spiele auch ökonomisch ein Sommermärchen werden“, hielt er in der damaligen Podiumsdiskussion fest.

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    Holger Preuß beim Talk DEIN JOB. DEIN INVEST. DEINE SPIELE. © DOSB/Ben Obst
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    Nach dem Talk von DEINE SPIELE steht Holger Preuß für ein Interview bereit. © DOSB/Ben Obst
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    Holger Preuß während der Eröffnung des Olympiaseminars 2023 an der IOA. © DOA
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    Beim Biebricher Schlossgespräch: Holger Preuß mit DOA-Direktor Gerald Fritz, seiner Ehefrau Hatice Heckmann und Florian Pfeffel (accadis Hochschule, v.l.n.r.) © DOSB/pa/Kaufhold
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    Abschied von der DOA: Gerald Fritz, Henning Kunkel, Wiebke Arndt, Angela Klemens, Holger Preuß, Manfred Lämmer, Claudia Brill, Peter Fegers und Gudrun Doll-Tepper (v.l.n.r.) © DOA
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Im Rahmen der Olympischen und Paralympischen Spiele von Paris 2024 war Preuß, der Mitglied der „Sustainability and Legacy Commission“ des IOC ist, zudem in leitender Rolle eingebunden. Als „Chairman for the Evaluation Commission for Sustainability“ leitete er in Zusammenarbeit mit dem IOC und der OECD eine Evaluierungsgruppe, welche die ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Spiele in der französischen Hauptstadt auswertet.

Nachhaltig bleibt nicht zuletzt sein Einsatz für die DOA, obwohl er zum 1. Juli 2024 aus persönlichen Gründen als Schatzmeister zurückgetreten ist. „Ich habe schon immer versucht, die DOA bei verschiedenen Formaten mitzudenken, Synergien zu schaffen und zugleich ihre finanziellen Kapazitäten zu berücksichtigen – das mache ich auch in Zukunft“, hält Preuß fest.

2025: Das Olympische Feuer brennt weiter

Eine dieser Schnittstellen ergibt sich bei den Internationalen Symposien, die Preuß seit 2006 im Rahmen der Olympischen Spiele für Wissenschaftler*innen aus aller Welt organisiert – jüngst bei der 11. Ausgabe anlässlich der Spiele in Paris 2024. Die DOA tritt hier seit vielen Jahren als einer von fünf „Supporting Partners“ auf.

Auch an seiner Universität werden die wertebasierten Themen der DOA weiterhin Beachtung finden, sei es in Lehrveranstaltungen wie „Key Player in der Eventorganisation“ oder im Rahmen des JGU SportsDay, in den der Olympic Day, den die Akademie im Auftrag des DOSB ausrichtet, integriert wird.

Das außergewöhnliche Engagement ihres langjährigen Schatzmeisters könne daher nicht genug gewürdigt werden, hält die DOA-Vorsitzende Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper fest: „Wir möchten uns im Namen der gesamten Akademie – von der Geschäftsstelle bis zum Vorstand – bei Holger Preuß für seinen langjährigen und herausragenden Einsatz herzlich bedanken. Seine innovativen Ideen haben unsere Zusammenarbeit stets bereichert. Und werden dies weiterhin tun – ob bei Events wie dem Olympiaseminar, an dem er 2026 mit seinen Studierenden wieder teilnehmen wird, oder bei seinen Seminaren, in denen wir unsere Arbeit regelmäßig präsentieren dürfen.“

 

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