Die ganze Welt in einem Moment

Wie junge Menschen aus über 90 Nationen den Olympischen Geist in Griechenland erlebten

Gruppenfoto von 140 Personen auf einem Rasenplatz
Drohnenaufnahme der 140 Delegierten. © IOA

Von Aserbaidschan bis Simbabwe: Rund 140 Delegierte aus aller Welt nahmen vom 6. bis 18. Juni 2026 an der 66. Session für Young Olympic Ambassadors (YOA) teil. Mittelpunkt der traditionsreichen Veranstaltung war der „magische Campus“ der Internationalen Olympischen Akademie (IOA), der sich in unmittelbarer Nähe zu den Ausgrabungsstätten des antiken Olympias befindet. Hier entwickelten sie Ideen für die Zukunft der Olympischen Bewegung und erlebten den Olympischen Geist hautnah.

Deutschland wurde bei der diesjährigen YOA-Session von Maxi Tix und Jonathan Ellies vertreten. Während sich Maxi sich seit vielen Jahren als Sprecherin im Vorstand der Sportjugend NRW engagiert, studiert Jonathan im Master Internationales Sportmanagement an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet als Werkstudent beim DOSB. Gemeinsam blicken sie auf ihre Erfahrungen in Griechenland zurück.

Über Inklusion, Integrität und Verantwortung

Die beiden Vertreter*innen waren im Vorfeld der YOA-Session von der Deutschen Olympischen Akademie (DOA) ausgewählt worden und hatten sich gegen viele Bewerber*innen durchgesetzt. Während der Session tauschten sie sich intensiv mit jungen Menschen aus aller Welt aus und diskutierten darüber, wie Sport sicherer, fairer und inklusiver gestaltet werden kann.

Im Mittelpunkt aller Veranstaltungen, die in diesem Jahr von der IOA ausgerichtet werden, steht das Leitthema „Empowering Inclusion, Integrity and Responsibility for Every Athlete“, das für jede Veranstaltung einen eigenen Schwerpunkt erhält. Im Falle der YOA-Session: „Championing Inclusion, Integrity and Responsibility: Building a Safe and Fair Future for Every Athlete.“

In Fachvorträgen und Diskussionsrunden beschäftigten sich die Delegierten mit der Integrität des Sports, dem Schutz der Athlet*innen, mentaler Gesundheit sowie der Vermittlung olympischer Werte im Nachwuchsleistungssport. Besonders in Erinnerung blieb Jonathan Ellies ein Vortrag von Dr. Cem Abanazir (Manchester Metropolitan University) zum Thema Match-Fixing. Der türkische Sportrechtler erläuterte anhand verschiedener Fallbeispiele die Gefahren von Wettkampfmanipulation und zeigte auf, welche Verantwortung Athlet*innen selbst beim Schutz der Integrität des Sports tragen. Gerade die Praxisnähe des Vortrags regte zu intensiven Diskussionen an und machte das Thema für die Teilnehmenden besonders greifbar.

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Internationale Zusammenarbeit für die Zukunft des Sports

Ein wichtiger Bestandteil der Session war die Arbeit in englisch- und französischsprachigen Kleingruppen. Dort entwickelten die Delegierten Handlungsempfehlungen zu verschiedenen Fragestellungen, die anschließend als Handreichungen an das Internationale Olympische Komitee weitergegeben wurden. Jonathans Gruppe beschäftigte sich unter anderem mit der Frage, wie Sportintegrität bereits im Jugendalter gestärkt werden kann. Diskutiert wurden die Bedeutung einer frühen Wertevermittlung, die Rolle von Trainer*innen als Vorbilder sowie die Einbindung der Eltern.

Weitere Schwerpunkte waren die Fragen, wie olympische Werte stärker in die Bewertung von Erfolg im Jugendsport einfließen können, wie sich die Wettbewerbe der Youth Olympic Games (YOG) noch enger mit olympischen Bildungsthemen verknüpfen lassen und wie junge Athlet*innen beim Übergang in den Leistungssport besser unterstützt werden können.

Olympische Geschichte und kultureller Austausch

Darüber hinaus bot die YOA-Session zahlreiche Möglichkeiten, die griechische Kulturgeschichte kennenzulernen. Zum Auftakt in Athen standen eine Führung durch die Akropolis sowie die offizielle Eröffnungsfeier auf dem geschichtsträchtigen und westlich der Stadtfestung gelegenen Hügel Pnyx – der Ort der Volksversammlung während der Attischen Demokratie. Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch der Ausgrabungsstätten im antiken Olympia.

„Es ist etwas Besonderes, an dem Ort zu sein, auf dem die Olympische Idee fußt, und diesen mit Menschen aus fast 100 Ländern zu teilen. Trotz unserer unterschiedlichen Hintergründe hat man schnell gemerkt, dass uns ähnliche Werte verbinden“, zeigt sich Maxi Tix nachhaltig beeindruckt.

Prägend waren für Maxi vor allem die unzähligen interkulturellen Begegnungen. Ob in Working Groups, bei gemeinsamen Sportaktivitäten oder im Rahmenprogramm – überall entstanden neue Kontakte und Freundschaften. „Ich habe unglaublich viel über andere Kulturen, unterschiedliche Perspektiven auf den Sport und die Olympische Bewegung gelernt“, hält sie fest. „Gleichzeitig war es spannend zu sehen, wie viele Ideen junge Menschen weltweit haben, um Sport als Werkzeug für Zusammenhalt, Bildung und Frieden einzusetzen.“

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„So etwas habe ich noch nie erlebt“

Zu den persönlichen Höhepunkten von Jonathan Ellies zählt der Abend nach der Eröffnungsfeier. Er erinnert sich besonders an den Moment, als Musik aus den verschiedensten Ländern gespielt wurde und Delegierte aus aller Welt spontan die dazugehörigen Tänze zeigten. Immer mehr Menschen schlossen sich an, bis schließlich die gesamte Gruppe gemeinsam feierte.

Für Jonathan war dies der Augenblick, in dem die 140 Delegierten als Gemeinschaft zusammenfanden. Besonders beeindruckt habe ihn, wie selbstverständlich Menschen unterschiedlichster Kulturen miteinander ins Gespräch kamen und gemeinsam feierten: „Die ganze Welt war in diesem Moment vereint, so etwas habe ich noch nie erlebt.“

Damit fasst er den Kern der Session für Young Olympic Ambassadors treffend zusammen, auf dem die traditionsreichste Veranstaltung der IOA nicht nur in diesem Jahr, sondern seit ihrer Erstaustragung am 16. Juni 1961 basiert: junge Menschen aus aller Welt zusammenzubringen, den Austausch zu fördern und gemeinsam an einer Zukunft zu arbeiten, in der Sport für Respekt, Verantwortung und Verständigung steht.

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