„Eine große Bereicherung für alle“

Annette Hofmann blickt zurück auf das Turnfest 2025 in Leipzig – aus Sicht des DTB und der DOA

Annette Hofmann, Darja Varfolomeev, Margarita Kolosov, Dr. Christiane Schenderlein und Dr. Alfons Hölzl (v.l.n.r.) bei der Verleihung der Flatow-Medaillen
Prof. Dr. Annette Hofmann (l.) während der Verleihung der Flatow-Medaille. © DTB

Seit vielen Jahren engagiert sich Prof. Dr. Annette Hofmann ehrenamtlich in Sportdeutschland. Die stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Olympischen Akademie (DOA) ist auch als Vizepräsidentin des Deutschen Turner-Bundes (DTB) tätig – und war intensiv an der Vorbereitung und Umsetzung des Turnfestes 2025 beteiligt, das vom 28. Mai bis 1. Juni in Leipzig stattfand. Wir haben mit der Wissenschaftlerin, die hauptberuflich an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg forscht und lehrt, über ihre Learnings und Highlights gesprochen.

Was war deine Rolle beim Turnfest 2025?

Im DTB-Präsidium bin ich für den Bereich „Tradition und Kultur“ zuständig – ein besonders facettenreiches Feld in einer so geschichtsträchtigen Sportart wie dem Turnen, das als Ursprung der deutschen Bewegungskultur gilt.

Beim Turnfest in Leipzig habe ich mich u. a. um die Präsentation der Fahnen gekümmert, die die Verbände zu den Wettkämpfen mitbringen. Bei der Eröffnung des Turnfestes, die live im MDR übertragen wurde, habe ich den Einlauf der Fahnenträger*innen kommentiert. Anschließend wurden die Fahnen in der Wandelhalle des Neuen Rathauses ausgestellt und von Volunteers meiner Hochschule und der Universität Tübingen betreut. Ich selbst habe die Ausstellung im Rahmen eines Vortrags auf dem Messegelände präsentiert.

Auch war ich an der Verleihung der Flatow-Medaille beteiligt – eine unserer höchsten Auszeichnungen, mit der wir Athlet*innen für ihre sportlichen Leistungen und Vorbildfunktion ehren. Sie erinnert an Alfred und Gustav Felix Flatow, die 1896 an den Olympischen Spielen in Athen teilnahmen und später unter dem NS-Regime aufgrund ihres jüdischen Glaubens getötet wurden. In diesem Jahr gingen Medaillen an Sportler*innen der Weltklasse: die Faustballerin Stephanie Thomas, die Rhythmischen Sportgymnastinnen Darja Varfolomeev und Margarita Kolosov sowie die Turner Lukas Dauser und Andreas Toba.

Was war dein Highlight in Leipzig?

Ganz klar: die internationalen Gäste. Da wir für Israel als Ausrichter der Europameisterschaften eingesprungen sind, hat unser Turnfest eine deutlich internationalere Note erhalten. Wir durften Delegationen und Fans aus ganz Europa in Leipzig begrüßen, die weit über die Wettkämpfe hinaus die Vielfalt unserer Veranstaltung erleben konnten: Breitensportangebote für Jung und Alt, Shows, Podiumsdiskussionen und die Turnfestakademie.

Besonders habe ich mich gefreut, Athlet*innen aus Argentinien und den USA wiederzusehen, die in deutschen Turnvereinen aktiv sind und zu denen ich seit Jahren Kontakt pflege.

Auch für das heimische Publikum war diese Kombination, also die Europameisterschaften begleitend zum Turnfest, eine Bereicherung: Neben dem gewohnten Fokus auf Breitensport konnten sie auch Spitzenwettkämpfe miterleben. Die Goldmedaillengewinner*innen haben wir deshalb in die Abschlusszeremonie integriert – und so dem Namen „Internationales Deutsches Turnfest“ alle Ehre gemacht.

  • © Toni Hofmann
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  • © www.turnfestfotos.de
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Mit Blick auf die DOA – welche Learnings nimmst du aus Leipzig mit nach Frankfurt?

Vielfalt und Nachhaltigkeit standen in Leipzig im Zentrum – und waren vom Workshop-Angebot bis hin zur Verpflegung sichtbar. Es gab zahlreiche vegane Alternativen, ein breites kulinarisches Angebot und mit dem Inklusionsturnen wurde eine neue Disziplin von Special Olympics präsentiert. Auch wenn nur drei Nationen daran teilgenommen haben, sehen wir darin großes Potenzial für die Zukunft.

Besonders freut uns, dass das Turnfest für das Finale des Deutschen Nachhaltigkeitspreises nominiert war – ein starkes Signal und Vorbild für künftige Sportveranstaltungen in Deutschland.

Als DOA bekommen wir die elementare Bedeutung der Vereinbarkeit von sozialer, ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit mit Events wie den Olympischen und Paralympischen Spielen bei unseren Veranstaltungen mit. Ob beim Deutschen Olympischen Jugendlager oder unserem Olympiaseminar – die jungen Teilnehmenden fordern Nachhaltigkeit und Inklusion aktiv ein und sprechen offen Missstände an. Für uns ist das Leipziger Turnfest ein wichtiger Impulsgeber – auch wenn unsere Veranstaltungen in kleinerem Rahmen stattfinden.

Der DTB ist seit vielen Jahren Mitglied bei der DOA. Auf welchen Feldern würdest du dir eine engere Kooperation zwischen beiden Organisationen wünschen?

Das Turnfest hat in eindrucksvoller Weise Spitzensport und Breitensport verbunden– ein Spagat, den auch der DOSB und wir als DOSB-nahe Organisation in unserer Arbeit mitdenken müssen.

In der Vergangenheit war die DOA regelmäßig Teil der Rahmenprogramme der Turnfeste – etwa durch Podiumsdiskussionen, Schreibwettbewerbe oder Ausstellungen zur Olympischen Geschichte. Das war aus Kapazitätsgründen in diesem Jahr leider nicht möglich. Umso mehr freuen wir uns, wenn wir beim Turnfest 2029 in München wieder dabei sein können.

Apropos: Auch die Olympischen und Paralympischen Spiele finden bekanntlich alle vier Jahre statt. Am letzten Wochenende hat der DOSB fristgerecht die Konzepte der vier Regionen erhalten, die sich für eine Austragung 2036 oder 2040 bewerben möchten. Sollte Deutschland den Zuschlag vom IOC erhalten, werden wir auf viele kleinere und größere Vorbilder im Bundesgebiet zurückgreifen – darunter sicherlich auch auf das Turnfest 2025 in Leipzig.

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