Fair Play bedarf Mut und Stärke

BSG FPP Tauziehen
Das Damen-Team des Tauziehclubs Allgäu-Power Zell und ihr Trainer freuen sich über die Auszeichnung mit dem Fair Play Preis des Deutschen Sports 2015.
 

„Wir haben keine Krise der Werte, sondern eine Krise, die Werte zu leben“. Diese These von DOSB-Präsident Alfons Hörmann stand im Mittelpunkt des 4. Biebricher Schlossgesprächs der Deutschen Olympischen Akademie mit dem Thema Fair Play. Aber trotz aller zum Teil berechtigter Kritik, die in den vergangenen Wochen und Monaten am Sport geübt wurde, würden Werte wie Fair Play, Teamgeist und Miteinander im Sport noch immer besser gelebt als in manchen anderen Bereichen des Lebens, sagte Hörmann. Die besten Beispiele wurden bei der Verleihung des Fair Play Preises des Deutschen Sports 2015 deutlich, die erstmals in diesem Rahmen stattfand. Festredner Gunther A. Pilz, der DOSB-Ethikpreisträger von 2012, stellte unter anderem fest: „Der Weg ist wichtiger als der Sieg – aber dieses Ethos funktioniert nur so lange, wie Sport Selbstzweck bleibt“.

BSG FPP Leonie Remfort
Leonie Remfort (m.) im Kreis der Gratulanten (v.re.): Alfons Hörman, Erich Laaser, Speerwurf-Weltmeisterin und Laudatorin Steffi Nerius, Gerhard Böhm.

 

BSG FPP Gunter A. Pilz
Gunter A. Pilz hielt den Impulsvortrag
„Fair Play - das ethische Potenzial des Sports" im Biebricher Schloss.

 

BSG FPP Interviewrunde
Diskutierten zum Thema "Ohne Fair Play kein ehrlicher Sport" (v.re.): Gerhard Böhm, Alfons Hörmann, Erich Laaser, Moderator Dieter Gruschwitz. Alle Fotos: DOSB/Jan Haas
 
 
 

Leonie Remfort aus Wittmund und der Tauziehclub Allgäu-Power Zell aus Bad Grönenbach haben diesen Selbstzweck erkannt. Im dreiflügeligen Barockbau in Wiesbaden-Biebrich wurden die Heldinnen mit dem Fair-Play-Preis des Deutschen Sports 2015 ausgezeichnet und erhielten jeweils 1000 Euro für soziale Projekte. Die Preisstifter sind der DOSB, das Bundesministerium des Innern (BMI) und der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS).

Leonie Remfort leitet als Übungsleiterin beim Jugendwerk Wittmund eine Hip-Hop-, eine Breakdance- und eine Trampolingruppe sowie ein Basketballtraining mit Frauen aus Flüchtlingsfamilien. Die 18-Jährige widmet ihre Freizeit bereits seit ihrem 15. Lebensjahr der Integrationsarbeit. 1000 Ehrenamtsstunden kamen so für das Jahr 2015 zusammen. „Vorbildlich“, fand auch Laudatorin Steffi Nerius, Speerwurf-Weltmeisterin von 2009. Leonie setze ein starkes Zeichen des Engagements für andere.

Vorbildlich agierte auch die Damenmannschaft des Tauziehclubs Allgäu-Power Zell aus Bad Grönenbach. Nach krankheitsbedingtem Ausfall einer Gegnerin bei der ersten deutschen Meisterschaft in dieser Sportart entschieden die Allgäuerinnen, auch aus ihrem Team eine Zieherin herauszunehmen mit der Konsequenz, dass das Finale verloren ging. DOSB-Vizepräsidentin Petra Tzschoppe würdigte dieses Verhalten in ihrer Laudatio am Donnerstagabend: „Ich finde es einen schöne Sache, dass Fair Play hier beim Tauziehen passiert ist. Man zieht nicht nur in der eigenen Mannschaft an einem Strang, sondern auch mit dem Gegner“.

In der abschließenden Diskussionsrunde mit Alfons Hörmann, dem VDS-Präsidenten Erich Laaser und dem BMI-Abteilungsleiter Gerhard Böhm, wurde unter anderem noch einmal ein Zitat des Festredners aufgenommen, der sagte: „Nicht Gewinnen ist kein Scheitern.“ Der DOSB-Präsident regte mit seiner Anmerkung zum Nachdenken an: „Ist nicht Gewinnen, wirklich nicht Scheitern? Es bedarf viel Stärke, mit erhobenem Haupt, aber ohne Medaille zurückzukommen“.

 

(Quelle: DOA / DOSB)

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