„We need to believe in values”

Ein optimistischer Blick auf herausfordernde Zeiten – Eindrücke des „Expert Forum – Sport in Europe“

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Peter Fegers im Gespräch mit Lilla Szijj aus Ungarn. © COSL / Philippe Schroeder

Wenige Wochen nach dem Kongress der Europäischen Olympischen Akademien (EOA) in Prag kamen zahlreiche Delegierte beim „Expert Forum – Sport in Europe“ erneut zusammen. Das regionale Seminar, zu dem die EOA und das Europäische Netzwerk der Akademien des Sports (ENdAS) eingeladen hatten, fand vom 13. bis 14. November 2025 im Nationalen Sport- und Kulturzentrum (COQUE) in Luxemburg statt. Unter den Teilnehmenden war auch Peter Fegers, DOA-Referent für Kommunikation, der in zwei Workshops ihre „award-winning initiatives“  präsentierte.

Olympisches Jugendlager, „Olympia ruft“ und OVEP

Die DOA hatte beim jüngsten EOA-Kongress ihren Flame Award in der Kategorie Olympische Erziehung verteidigt: Nachdem bereits 2024 ihre Unterrichtsmaterialien „Olympia ruft: Mach mit!“ ausgezeichnet worden waren, erhielt das Deutsch-Französische Olympische Jugendlager kürzlich dieselbe Würdigung.

Entsprechend groß war das Interesse an den Best-Practice-Beispielen, die Fegers den Vertreter*innen aus Belgien, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden und Ungarn vorstellte. Zugleich profitierte er vom Austausch über das „Olympic Values Education Programme“ (OVEP) des IOC, das die DOA derzeit für den deutschsprachigen Raum übersetzt.

Lilla Szijj lieferte vielfältige Einblicke, wie Ungarn das OVEP als fächerübergreifendes Instrument in den nationalen Lehrplan integriert. „Mit Lilla und ihrem Team stehen wir seit Projektbeginn im engen Austausch“, sagte Fegers und erinnerte an den DOA-Besuch bei der Olympic Qualifier Series in Budapest im letzten Jahr. Die Implementierung des OVEP in Deutschland, Luxemburg oder der Schweiz sei zwar erst nach Abschluss der Übersetzung möglich. „Wir bereiten aber schon jetzt die nächsten Meilensteine vor, um eine zeitnahe Einführung im deutschsprachigen Raum zu gewährleisten.“

Ein Überblick über alle zehn Workshopthemen des Expertenforums findet sich hier.

  • © COSL/Philippe Schroeder
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Ein neues Verständnis von Safe Sport

Den thematischen Diskussionen am zweiten Seminartag gingen zwei Keynotes am Donnerstag voraus, die inspirierende Impulse für den Austausch boten.

Prof. Dr. Dikaia Chatziefstathiou von der Canterbury Christ Church University (England) sprach über „Reimagining Safe Sport: Bridging Values, Governance and Practice across Europe“ und über die Bedeutung konsequenter Präventionsarbeit zum Schutz von Sportler*innen. Kritisches Hinterfragen bestehender Strukturen und ein optimistischer Blick in die Zukunft seien dabei kein Widerspruch, betonte die Professorin für Applied Olympic Studies, die als „critical-known friend of the IOC“ in Lausanne bekannt ist.

„Sport is special – but let’s do something to make it really special“, rief sie den Delegierten zu. „We need integrity – it is about policies becoming principles and emotions.”  Sie verwies darauf, dass der organisierte Sport über Jahrzehnte ein autoritäres System normalisiert habe. Ein Beispiel: Die deutsche Judoka Martyna Trajdos, die bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 von ihrem Trainer vor laufenden Kameras geohrfeigt wurde und ihn anschließend verteidigte.

„We need to move beyond prevalence, we need to move beyond reaction – we need prevention“, so Chatziefstathiou weiter. Ihr Ansatz ist klar: „When we talk about safe sport, we talk about a cultural change within sport.“

Das Europäische Sportmodell

Prof. Dr. Jürgen Mittag vom Institut für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung der Deutschen Sporthochschule Köln stellte zudem das European Sport Model (ESM) vor. Obwohl zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten das „hot topic“ untersuchen (eine Übersicht findet sich hier), ist das Modell bisher kaum einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Das ESM beschreibt den organisierten Sport in Europa als Pyramide: von lokalen Klubs an der Basis über regionale und nationale Föderationen bis zu kontinentalen Dachverbänden an der Spitze. Ergänzend spielen ehrenamtliche und staatliche Organisationen eine besondere Rolle. Getragen wird das Modell von grundlegenden Werten – sozial, kulturell und bildungsbezogen.

„However, since the 1980s, organised sport has become increasingly commercialised“, erklärte Mittag. Verschiedene Meilensteine hätten das ESM stark beeinflusst und verändert, u. a.

Während sich die Olympische Bewegung in Baden-Baden vom Amateurismus verabschiedete und sich dem professionellen Leistungssport öffnete, veränderte die Bosman-Entscheidung den europäischen Fußball – und alle Sportarten mit Profibetrieb – grundlegend. Laut EuGH sind Profisportler in der EU normale Arbeitnehmer im Sinne des EG-Vertrags. „A non-sportive law became sportive”, resümierte Mittag. Ablösefreie Transfers nach Vertragsende wurden möglich – eine Entwicklung, die explodierende Gehalts- und Transfersummen begünstigte.

Aktuell sieht sich die UEFA erneut mit Konkurrenz konfrontiert: einer möglichen „Super League“. Zwar reichen ihre Ideen bis 1988 zurück, doch erhielten sie 2021 neue Dynamik, als zwölf englische und spanische Topklubs das Projekt offiziell ankündigten. Der Versuch scheiterte bisher am massiven Protest der Fans, doch verfolgen einige Vereine die Pläne weiter…

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„From Ideals to Integrity“

Droht damit die wertebasierte Grundlage des ESM unter dem Druck wirtschaftlicher Interessen zu erodieren? Gewinnt – wie Jürgen Mittag es formuliert – die „Amerikanisierung des Sports“ die Oberhand? Oder bietet gerade der dualistische Ansatz des US-Sports mit seinem Draft-System und Salary-Cap, der einen hyperkapitalistischen Markt mit klaren Umverteilungsmechanismen kombiniert, einen möglichen Lösungsweg?

Antworten könnte ein optimistischer, progressiver Ansatz liefern, der über gemeinsame Ideale hinaus auf mehr Integrität im organisierten Sport zielt und einen Kulturwandel anstößt.“ Oder, wie es Dikaia Chatziefstathiou formulierte: „We need to believe in values.“

 

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